Whale Watching – Laguna Ojo de Liebre – Baja California Sur

Grauwale kommen jedes Jahr in die Laguna Ojo de Liebre. Im warmen Wasser des Pazifiks vor Mexiko und im Schutz der flachen Lagune, finden die Tiere einen optimalen Ort, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. In der Zeit von Ende Dezember bis Anfang April kann man die Tiere hier antreffen. Erst wenn die Kleinen kräftig genug für die weite Rückreise nach Alaska sind, verlassen die Wale die schützende Bucht und machen sich auf den tausende Kilometer weiten Weg zurück. Die Weibchen fressen übrigens während ihres Aufenthalts in der Lagune nichts.

Jeder kennt das Problem, wenn man Fotos oder Videos von Tieren machen will, erst tut sich ewig nichts und dann hat man nicht schnell genug den Finger am Auslöser, um den Moment festzuhalten. Ein schwankendes Boot macht es nicht einfacher. Wo und wann taucht das Tier das nächste Mal auf. Außerdem verpasst man oft die schönsten Momente, wenn mach zu viel Konzentration dem Fotografieren widmet. Umso dankbarer bin ich meinem Mann, der ein paar fantastische Momente im Video festgehalten hat. Leider kann man viele Details auf den Videos nicht so gut erkennen, aber wir hoffen ihr habt trotzdem Spaß beim Anschauen (Handy oder Tablet).

11. Januar 2018 – In der letzten Nacht hatte der Wind noch zugelegt und Felice wurde ordentlich geschüttelt. Als ich gegen 8.00 Uhr aufwache ist jedoch alles ruhig. Der Blick aus dem Fenster bestätigt meinen ersten Eindruck, es wird ein schöner Tag werden. Die Sonne scheint – das Meer ist ganz ruhig – es ist fast windstill, der perfekte Tag für Whale Watching. Eine halbe Stunde später bin ich beim Restaurant und bestelle eine Tour für 9.30 Uhr. Frühstück muss ausfallen, die Zeit reicht nur für einen Kaffee. Meinen Mann habe ich mit meiner spontanen Entscheidung natürlich wieder auf dem falschen Fuß erwischt. Na ja, er kennt mich lange genug und ist es nicht anders von mir gewohnt. Um 9.30 Uhr sind wir am Restaurant, bezahlen, bekommen unsere Schwimmwesten und gehen zum Boot. Außer uns stehen noch 2 Mexikaner auf der Liste. Es ist dann aber doch erst 10.00 Uhr, als wir endlich ablegen. Wir müssen noch auf einen weiteren Mann warten, der ebenfalls mit uns mit raus fährt. Fünf Passagiere und Antonio, unser Bootsführer.

Mit ordentlichem Tempo fahren wir in einen vorderen Teil der Lagune. Hier sehen wir schon von weiten einige Wale und es dauert nicht lange, da begleiten wir in einem Abstand von wenigen Metern 2 große Wale bis diese nach einer Weile abtauchen.

Delfine schwimmen ganz nahe ans Boot und verschwinden dann wieder in der Tiefe.

zum Video: DelfineÜberall sehen wir im Meer Jellyfish.

Wunderschöne blaue Quallen, die hier wahrscheinlich nicht viele Feinde haben, denn das Meer ist voll davon.

Immer wieder bringt uns Antonio ganz in die Nähe der Wale. Es handelt sich um erwachsene Tiere, die einzeln oder zu zweit unterwegs sind. Als wir wieder einmal anhalten und zwei große Wale beobachten taucht plötzlich ein dritter Wal hinten neben unserem Boot auf.

Die Männer im hinteren Teil des Bootes sind total aus dem Häuschen. Jeder versucht den Wal anzufassen. Das Boot bekommt sehr schnell Schräglage. Wir bleiben daher auf unserer Seite und beobachten das Schauspiel von dort. Leider.

Und als wenn der Bootsführer Gedanken lesen kann, winkt er mich zu sich. Die anderen Männer setzen sich wieder und rutschen etwas zur Seite, damit ich zum Wal kann. Dieser dreht sich auf die Seite und sieht uns direkt an. Er atmet aus und wir bekommen eine kleine Dusche ab. Mehrfach stößt er mit dem Kopf oder mit dem Körper gegen unser Boot. Der Wal ist zwar direkt unter mir. Aber so weit ich mich auch rausbeuge und anstrenge, meine Arme sind zu kurz, ich komme einfach nicht ran. Und dann, der Wal hebt seinen Kopf und wirklich – ich kann das riesige Tier anfassen – einen kurzen Moment. Blanker Wahnsinn.

Der Wal taucht ab, schwimmt mehrfach unter das Boot und kommt wieder neben dem Boot hoch. Dann schiebt der Wal einen Teil seines Körpers unter das Boot, hebt es etwas an, um es dann ganz sacht wieder runter zu lassen.

zum Video: Wal neben dem BootNach dem der Wal genug mit uns gespielt und seine Neugier gestillt hat, taucht er ab und verschwindet. Wir sind alle im Boot total aufgeregt und begeistert. Es dauert eine Weile bis sich der Adrenalinspiegel halbwegs wieder normalisiert. Ein bisschen Spannung bleibt. Zum Glück sind Grauwale freundliche und neugierige Tiere.

Wir fahren weiter und sehen eine Walmutter mit ihrem Neugeborenen. Dieses kleine Wesen ist noch ganz glatt, ohne Seepocken und anderen sichtbaren Parasiten. Aber der Mutter ist unsere Nähe nicht geheuer und so schiebt sie den Kleinen beiseite und dann tauchen beide ab. Wir lassen sie in Ruhe, fahren weiter und beobachten in der Ferne einen Wal der mehrfach aus dem Wasser springt.

Auf dem Weg zurück zum Hafen sehen wie noch andere erwachsenen Wale und eine weitere Walmutter mit ihrem Kalb. Aber auch hier halten wir Abstand und die Mutter sieht zu, dass sie mit dem Kleinen verschwinden kann.

Es ist inzwischen Ebbe aber noch schwimmen einige Wale in den hinteren Teil der Bucht. Wir legen am Hafen an, bedanken uns bei Antonio für die tolle Tour und geben unsere Schwimmwesten zurück. Die Tour dauerte 2 Stunden, wir sind dabei 20 km weit und bis zu 19 Knoten schnell gefahren.

Wir gehen zurück zum Wohnmobil und können von dort aus eine Walmutter mit ihrem Kalb beobachten. Sie sind von unserem Stellplatz aus perfekt zu sehen. Anfangs sehen wir nur die Mutter. Sie liegt fast regungslos im Wasser und es scheint, als wenn sie sich sonnt. Das Licht wird auf dem breiten Körper reflektiert. Dann taucht sie und als sie deutlich später an derselben Stelle wieder auftaucht, sehen wir eine weitere Fontäne von einem Kalb. Die Wale bewegen sich fast 2 Stunde kaum von der Stelle, dann tauchen beide ab und verschwinden.

Was für ein Tag. So lange ich denken kann, faszinieren mich Wale und ich wollte wenigstens einmal in meinem Leben einen Wal ganz aus der Nähe in freier Wildbahn sehen. Und heute konnte ich sogar einen anfassen. Eine Haut ganz weich, wie die eines Babys. Sie gibt leicht nach – wie der Griff eines Softstocks. Ja, soft, das war der Begriff, der mir spontan bei der Berührung eingefallen ist. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben kann. Vergleichbar vielleicht mit den Pfotenballen eines neugeborenen Hundes. Das kommt dem ziemlich nahe.

16. Januar 2018 – Heute soll unsere 2. Whale Watching Tour stattfinden. Wolzow, der von unserer ersten Tour, wie auch ich, total begeistert war, möchte unbedingt noch einmal raus fahren. Mir kann das nur recht sein. Auch er ist von diesen wundervollen Tieren fasziniert.

Die Boote sind mal mit wenigen und mal mit vielen Personen besetzt. Auf ein mit 10 Passagieren voll besetztes Boot haben wir selbstverständlich keine Lust. Glücklicher Weise haben wir den kleinen Vorteil, dass wir in den letzten Tagen den Ablauf der Touren gut beobachten konnten und so finden wir genau den richtigen Zeitpunkt und bekommen eine Einzeltour. Nun können wir uns im Boot hin und her bewegen und haben den Bonus, dass unser Bootsführer auf unsere Wünsche eingehen kann. Jetzt müssen nur noch die Tiere mitspielen, damit auch diese Tour unvergesslich wird.

Und sie tun es!

Unsere heutige Tour ist eine Mutter-Kind-Tour. Wir sind diesmal ganz nah an den Walmüttern mit ihren Jungen. Gilberto, unser Bootsführer, fährt uns zu einer Mutter mit einem Neugeborenen, welches von der Mutter auf der Schwanzflosse getragen wird, damit es sich ausruhen kann

zum Video: Wal mit Baby

Wir sehen einige Neugeborene, die jedes Mal wenn sie an die Wasseroberfläche zum Atmen kommen, zwar über ihre Atemlöcher atmen aber dabei auch immer ihr Maul öffnen. Vielleicht Zufall, keine Ahnung – aber nur bei den ganz Kleinen sehen wir dieses Verhalten. Sobald die Jungen etwas älter sind, bleibt das Maul geschlossen.

Viele Weibchen werden von einem oder mehreren Bullen begleitet. Gilberto bringt unser Boot ganz gezielt dazwischen. Die Bullen ihrerseits sehen sich nun veranlasst uns mal mehr oder weniger deutlich zu zeigen, dass sie dies nicht möchten und drängen uns auf Abstand.

Sie schwimmen ganz dicht ans und teilweise auch unter das Boot, zeige ihre ganze Größe und bauen sich demonstrativ auf. Andere erzeugen mit ihrer Schwanzflosse eine ordentliche Welle, damit wir den Weibchen nicht zu nahe kommen sollen.

zum Video: Wal macht Welle

Wir erfahren, dass die Walkühe immer nur kurze Zeit schlafen bzw. ruhen. Dann liegen sie regungslos an der Wasseroberfläche. Die Kleinen nutzen die Gelegenheit und entfernen sich auch mal etwas weiter weg von Muttern. Zwei Mal beobachten wir dabei Jungtiere die zu spielen scheinen. Sie drehen sich auf den Rücken, versuchen auch schon mal hoch zu springen oder mit der Brust- bzw. Schwanzflosse aufs Wasser zu schlagen. Aber lange dulden die Mütter diese Alleingänge nicht.

Wir sind immer wieder überrascht wie lange die Kleinen beim Abtauchen unter Wasser bleiben können, denn normaler Weise kommen sie deutlich häufiger an die Oberfläche zum Atmen, als dies erwachsene Tiere tun.

Als wir nach knapp 2 Stunden schon auf dem Rückweg sind, geraten wir in eine Gruppe von Walen. Mehrere Weibchen mit ihren Kälbern und dazu einige Bullen. Wir wissen zum Teil gar nicht wo wir zuerst hinsehen sollen. Und auch hier demonstrieren die Bullen ihre Stärke in dem sie versuchen sich zwischen uns und den Weibchen zu platzieren. Was jedoch nicht so einfach ist, da die Mädels um uns herum schwimmen.

zum Video: Wal draengt uns ab

Ein Schauspiel ganz besonderer Art. Nach mehr als 10 Minuten löst sich die Gruppe wieder auf und wir, wir fahren weiter Richtung Hafen und sehen noch hier und da die Schwanzflosse eines Wales.

zum Video: Wal macht Kopfstand

Und weil es den Tag perfekt macht, begleitet uns ein Wal und springt dann mehrfach neben und hinter dem Boot aus dem Wasser. Einfach Genial.

zum Video: springender Wal

Whale Watching – wie es schöner nicht sein kann!

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